Auszüge aus der Lichtenhainer Dorfchronik

Ein Streifzug durch die Geschichte der Gemeinde Lichtenhain und des Berghofs.

Lassen Sie sich einladen auf eine historische Reise zu den Ursprüngen dieses Platzes, lassen Sie die Ereignisse der vergangenen Jahrhunderte an Ihrem inneren Auge vorüberziehen und spüren Sie den Atem der Geschichte:

Wegen Ihrer bergigen Beschaffenheit und der schlechten Voraussetzungen für die Landwirtschaft wurde die hiesige Gegend erst spät – zum Ende des 12. Jahrhunderts – besiedelt. Dabei kam zugute, dass sich hier eine der wenigen Lichtungen - ein lichter Hain - in den dichten, dunklen Wäldern befand, also Lichtenhain.

Mit seiner Lage an einem alten, das Elbtal kreuzenden, Verbindungsweg zu den Handelsplätzen in der Lausitz, war Lichtenhain von zentraler Bedeutung unter den kleineren Ansiedlungen der Umgebung. Noch heute zeugt die Anlage des Dorfes von seiner ursprünglichen Bestimmung zum Marktflecken und kirchlichem Zentrum. Bis etwa um Mitte des 15. Jahrhunderts waren nach Lichtenhain nicht nur, wie auch später noch, die Nachbardörfer Mittelndorf und Altendorf, sondern auch Rathmannsdorf und das Städtchen Schandau eingepfarrt. Die Überlieferung besagt, dass für lange Zeit die Einwohner von Schmilka über die „Heilige Stiege“ nach Lichtenhain zur Kirche pilgerten, wovon diese ihren Namen erhalten haben soll. Die Kirchgänger gelangten so auf die Affensteine und an deren Nordseite über die "Zahme Hölle" oder den "Höllensteig" ins Kirnitzschtal und von dort nach Lichtenhain.

Durch Erbteilung des Adelsgeschlechts der Berken von der Duba auf Hohnstein kam Lichtenhain 1410 als Zubehör zur Burg Wildenstein, die sich auf dem heutigen Kuhstallfelsen befand. Ursprünglich war diese Burg wahrscheinlich zur Sicherung einer Wegeverbindung errichtet worden, die aus der Oberlausitz durch das Elbsandsteingebirge zu den Ausschiffungsplätzen an der Elbe geführt hatte. Infolge wirtschaftlichen Niedergangs war das einstmals mächtige und ansehnliche böhmische Adelsgeschlecht der Berken von der Duba zu Raubrittern herabgesunken, die Handelswagen überfielen und Dörfer niederbrannten und den Bauern das Vieh wegtrieben. Die eigenen Dörfer wie Lichtenhain blieben offenbar von solchen Überfällen verschont, doch litten auch sie unter allgemeiner Unsicherheit und lokalen Fehden. Manch Lichtenhainer Bauernbursche dürfte freiwillig oder gezwungen an den Raubzügen und bewaffneten Auseinandersetzungen der Herrschaft teilgenommen haben. Nach den erbeuteten - oder in Schutz gestellten - Kühen, die zur Burg Wildenstein getrieben wurden, soll der Kuhstallfelsen seinen Nahmen erhalten haben.

Vom Unwesen der Raubritter wurden besonders die Handelsstädte in der Oberlausitz und Orte im Herrschaftsbereich der Kurfürsten von Sachsen geschädigt, weshalb diese gemeinsam in der Zeit von 1446 – 51 den Raubrittern das Handwerk legten und deren bisher böhmischen Besitz Sachsen angliederten. Lichtenhain wurde 1451 kurfürstlich–sächsisches Amtsdorf.

Den Mittelpunkt des Dorfes bilden der Anger und die Kirche. Auf dem Anger stand eine Linde, die eine gespaltene Wurzel hatte, so dass ein ausgewachsener Mann bequem hindurch gehen konnte. Sie musste 1804 gefällt werden, als sie drohte umzustürzen. Nach der Überlieferung wurden einstmals bis zu drei Märkte abgehalten, doch wurde Lichtenhain vom sich rasch entwickelnden Warenumschlagplatz Schandau überflügelt, der Handel und Gewerbe, sowie auch das Marktrecht an sich zog.

An die vergangenen Zeiten der einstigen Bedeutung erinnert der sonst nur in Städten übliche Reihenschank. Die sechs (und später acht) Angerhäuser in Lichtenhain besaßen dieses Realrecht bis in die Neuzeit. Neben dem ebenfalls am Anger gelegenen Erblehngericht, durfte dem Reihenschank zufolge jedes der Angerhäuser für ein Jahr das Schankrecht ausüben und das Schankzeichen aushängen. Schon alleine wegen der nötigen Räumlichkeiten wurde der Reihenschank in späteren Zeiten gewöhnlich für eine Reihe von Jahren an eines der Reihenschankhäuser verpachtet.

Einen dominierenden Platz am Anger nahm, bis es im 30jährigen Krieg niederbrannte, das kurfürstliche Gut ein. Zu diesem gehörten Wohn- und Wirtschaftsgebäude, wie das Forsthaus, in dem die Forstbeamten bei Jagden, Holzmärkten und anderen Verrichtungen ihre Unterkunft hatten, die Wildmeisterei und das Lehngericht. Das kursächsische Wappen am Torbogen erinnert an das kurfürstliche Gut.

Dem Lehngericht oblag die Verwaltung des Dorfes. Jedes der hiesigen Dörfer wurde von einem sogenannten Richter verwaltet. Dessen Aufgabe war jedoch nicht die Rechtsprechung im heutigen Sinne, sondern er regelte als Dorfoberhaupt die Angelegenheiten des Dorfes, sorgte für die Leistung der Frondienste und war Mittler zwischen den Einwohnern und der übergeordneten Herrschaft. Das Richteramt war mit dem Besitze oder der Pacht des Lehngerichtes verbunden, zu dem eine mehr oder weniger ausgedehnte Landwirtschaft gehörte. Da sich der Richter aber selbst nicht wie ein Bauer den landwirtschaftlichen Arbeiten widmen konnte, sondern möglichst ständig im Haus anzutreffen sein sollte, war ihm in der Stube des Lehngerichts, das deshalb so genannt wurde, weil es von der Herrschaft verlehnt wurde, das Schankrecht eingeräumt. Es war Privileg des Lehngerichts und durfte von keinem anderen im Dorfe ausgeübt werden. Das Lehngericht befand sich immer an der durch das Dorf führenden Landstraße und war Dorfversammlungsort sowie auch Einkehrstätte für Reisende und Fuhrleute.

Das Lehngericht fiel nach dem Tode des Richters wieder der Herrschaft anheim und wurde erneut verpachtet. Es konnte jedoch auch gekauft und sogar gegen eine bestimmte Gebühr für erblich erklärt werden, wodurch es dann zum "Erb"- Lehngericht wurde. Ausnahmslos männliche Erben durften das mit dem Besitz des Erblehngerichts verbundene Richteramt antreten (darunter auch Schwiegersöhne). In Ausnahmefällen konnte anstelle des Lehnrichters ein Vizerichter berufen werden. Er kam gewöhnlich aus den Reihen der angesehenen Bauern. Dem Richter zur Seite standen 2 oder mehr Schöffen (Gemeindevertreter).

In Lichtenhain befand sich das Lehngericht im herrschaftlichen Vorwerk. Dieses wurde in der Regel von einem Pächter verwaltet, der zugleich Lehnrichter war. Nach dem Verkauf des Vorwerks in Privatbesitz 1670 wurde es zum Bauernhof, nannte sich zugleich Erblehngericht und sein Besitzer war jeweils Erblehnrichter.

In früherer Zeit stand dem Lichtenhainer Lehngericht u. a. die Hasenjagd auf den eigenen Fluren zu. Darüber hinaus war die Jagd herrschaftliches Privileg.

1839 ging die Dorfverwaltung in der hiesigen Dörfern aus den Händen der Erblehnrichter an ein gewähltes Gremium über.

Die Hohe Straße verlor ihre Bedeutung als Handelsweg zum Teil mit dem Bau der Fahrstraße nach Sebnitz größtenteils aber mit dem Bau der Eisenbahn im Sebnitztal im 19. Jahrhundert. Sie ist heute als erholsamer, landschaftlich sehr reizvoller Wanderweg von Lichtenhain zum Hertigswalder Waldhaus zugänglich.

Bis ins 19. Jahrhundert besaß das Lichtenhainer Erblehngericht auch die Braugerechtigkeit. Sie wurde mit Unterbrechungen ausgeübt, da nicht jeder Wirt daran interessiert war, selbst Bier zu brauen. Um 1600 wurden die Reste des früher vorhandenen Brauhauses erwähnt. 1607 wurde die Braugerechtigkeit des Lichtenhainer Lehngerichts vom Kurfürsten neu bestätigt. Im 19. Jahrhundert wurde das Lichtenhainer Bier von einem Dresdner Professor als ein dünnes, aber recht schmackhaftes Bier bezeichnet. Das Brauen im Lichtenhainer Lehngericht wurde um 1900 eingestellt. An die Zeit des Bierbrauens in unseren Gemäuern erinnert ein großer Maischetrog aus massivem Granit. Dieser Trog ziert nun als Brunnen unter einem Lindenbaume die Mitte unseres Hofes.

Nachdem das kurfürstliche Vorwerk im Dreißigjährigen Krieg niedergebrannt, teilweise aber wieder aufgebaut worden war, wurde es 1670 in Privateigentum verkauft. Schon kurz zuvor war die Wildmeisterei nach Cunnersdorf bei Königstein verlegt worden. Nach der Größe seines Grundbesitzes, der von den einzelnen Eignern zu Zeiten vergrößert durch Landverkäufe aber auch wieder verkleinert wurde, gehört es seitdem zu den größten Bauerngütern im Ort. Das Lehngerichtsgebäude, das auch Wohnhaus des Besitzers und Schanklokal war, befand sich bis 1850 an der Stelle unseres heutigen Berghofes, woran auch der Torbogen mit dem kurfürstlichen Wappen erinnert. Da jedoch 1843 die Hohe Straße durch Lichtenhain über den Anger neu verlegt wurde, baute der damalige Wirt Wenzel 1851 das heutige neue Erblehngerichtsgebäude am Anger. 1862 endeten die Schankprivilegien der Erbgerichte durch Herausgabe des Gesetzes über die Gewerbefreiheit, das es allen Bürgern unter bestimmten Voraussetzungen ermöglichte, Schankstätten zu betreiben. Zuvor waren derartige Gewerbe außer den dörflichen Erbgerichten nur städtischen Bürgern gestattet worden. Dennoch blieben die Erbgerichte in allen Dörfern, so auch in Lichtenhain, Zentrum der dörflichen Traditionen. Laut Register vom 12. Februar 1801 hatte es außer dem Schankrecht das Recht des Bankschlachtens, Backens und Tanzmusikhaltens, eine Tanztenne und einen den Brauereikeller. Das Wohngebäude in der Mitte des jetzigen Vierseitenhofes wurde ebenfalls etwa 1850 errichtet.

Als zu Beginn des 19. Jahrhunderts in zunehmendem Maße fremde Reisende das Elbsandsteingebirge wegen seiner Naturschönheiten besuchten, wurde das Kirnitzschtal mit dem nahegelegenen Kuhstallfelsen für diese zu einem besonderen Anziehungspunkt. 1827 gründete das Amt Hohnstein am Beginn des Aufstieges zum Kuhstall, eine Station von Saumtierführern und Sesselträgern. Von dort wurden die Reisenden zu den bekannten Ausflugszielen Kuhstall, Großer Winterberg und Prebischtor gebracht, denn auf den noch ungebahnten Wegen hielt man die Beförderung mit Tragstühlen oder Pferden für unerlässlich. Diese Station befand sich auf Lichtenhainer Flur, bei dem kleinen Wasserfall den der Dorfbach dort bildet. Die Flur reicht bis ins Kirnitzschtal hinab und die Station wurde fast ausschließlich von Lichtenhainer Einwohnern betrieben. Durch die Eröffnung der Elbedampfschifffahrt 1837 und den Bau der Böhmischen Eisenbahn von Dresden bis Schandau 1851 wurden neue Besucherströme in die Sächsische Schweiz geleitet. Die Gemeinde Lichtenhain erwirkte daraufhin 1852 von der königlichen Kreisdirektion Dresden die Erlaubnis zum Bau eines Restaurationsgebäudes am Lichtenhainer Wasserfall. Es wurde mit nicht unbedeutenden Mitteln von der Gemeinde im Schweizer Stil errichtet und ist noch heute ein viel besuchtes Ausflugsziel für Besucher der Sächsischen Schweiz. Ein weiteres bedeutendes Gasthaus der Sächsischen Schweiz, das besonders in Wanderer- und Bergsteigerkreisen bekannt und berühmt wurde, gründete 1865 am Beuthenfall im Kirnitzschtal der Lichtenhainer Carl Traugott Richter. Leider sind die Gebäude am Beuthenfall zur heutigen Zeit dem Verfall anheim gegeben.

Seit dem im 19. Jahrhundert durch die Nähe des vielbesuchten Kirnitzschtals und des Kuhstallfelsen auch in Lichtenhain der Fremdenverkehr zunahm und durch Vereinsgründungen der Wunsch nach Geselligkeiten und Bällen wuchs, wurden Landwirtschaft und Schankbetrieb des Erbgerichts meist getrennt bewirtschaftet und das Eine oder Andere verpachtet. So pachtete auch der aus Neusalza-Spremberg (Lausitz) stammende Kurt Wauer das Bauerngut 1924 und kaufte es 1936. Später erwarb er dazu auch das Schankgebäude auf dem Anger.

1944 verunglückte Kurt Wauer tödlich und sein Sohn Siegfried musste im Alter von 21 Jahren die Landwirtschaft übernehmen. Bauerngehöft, Stallungen und Scheunen wurden bis zur Gründung der damaligen LPG als zweitgrößtes Bauerngut in Lichtenhain geführt. Schwere Jahre während und nach dem Krieg hatte vor allem Siegfried Wauer und seine Familie durchzustehen. Die "Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft" (LPG) verlangte im Jahre 1960 als Typ I die Einbringung der Felder der Bauern. 1978 erfolgte ein weiterer Schritt der Enteignung - die LPG Typ III. Diese sah auch die Übernahme des Viehs vor. Mit dem Leerstand der Ställe und Scheunen war der Niedergang der Privaten Landwirtschaft besiegelt. Nach der Wende waren die Wauers im Rentenalter. Sie verpachten heute ihre Felder an die Agrargenossenschaft Saupsdorf.

Im Gebäude des heutigen Berghofs baute sich das Ehepaar Evelyn (Tochter von Familie Wauer) und Klaus Schäfer ab 1970 eine Existenz mit einer selbständigen Polsterei auf (etwas besonderes für die damalige DDR). Mit der Wende in Deutschland 1990 brach jedoch der Markt für in Handarbeit gefertigte Polstermöbel von einem Tag auf den anderen weg. Eine Neuorientierung als Pension und Gaststätte wurde in den folgenden Jahren begonnen. Vor dem Berghof bewirtschafteten die Eheleute auch für kurze Zeit das Erblehngericht, danach begann der Umbau am Berghof (erst unter dem Namen „Affensteinblick“).

Das 1906 aus dem Reiheschank hervorgegangene Gasthaus "Deutsches Haus" am Anger besteht seit 1990 nicht mehr. Das Erbgericht selbst wurde bis 2003 von Pächtern betrieben. Danach folgte über die Jahre ein Leerstand. Ab 2007 wird das Erbgericht wieder bewirtschaftet. Seit 2004 hat Lichtenhain eine Bowlingbahn mit angeschlossener Gastwirtschaft. Somit verfügt Lichtenhain, mit unserem Berghof, über drei Gasthäuser im Ort selbst.

Für unseren Übernachtungsbetrieb wurde 1993 der benachbarte Flachbau des ehemaligen Kinderferienlagers vom Forstbetrieb Königstein erworben und bis 1994 als Gästehaus mit 16 komfortablen Zimmern umgestaltet (Gästehaus "Wandersmann"). Der Bau der Caféterrasse und des Wintergartens folgten 2001. Im Jahre 2003 konnten wir den Neubau "Gästehaus Bergidylle" mit 3 Gästezimmern einweihen. Auch für die Zukunft sind Projekte in Planung...

Quellen: Eine historische Reise durch das Kirnitzschtal (Hille), Sagenbuch der Sächsischen Schweiz (Meiche), Grundbuch, mündliche Überlieferungen. Bildquellen: Deutsche Fotothek Dresden, eigenes Archiv.